Lebensversicherung – Verkauf, Beleihung oder Kündigung?

(th) Der Garantiezins für Lebensversicherungen sinkt immer weiter, aktuell liegt dieser bei mageren 2,25 Prozent. Dabei werden die meisten Lebensversicherungen in Deutschland in der Form einer Kapitallebensversicherung abgeschlossen. Die Vertreter von Versicherungen machen ihren Kunden immer wieder glaubhaft, ein derartiger Abschluss wäre eine rentable Kapitalanlage mit zusätzlichem Todesfallschutz.

In Wirklichkeit ist diese Versicherung nur für wenige geeignet, da es wesentliche renditeträchtigere Investments gibt. Zudem lässt sich der Todesfall auch günstig über eine Risikolebensversicherung absichern. Ein Grund für viele, aus diesen nicht mehr lohnenswerten Anlagen frühzeitig auszusteigen. Wer dies unüberlegt tut und nicht alle Möglichkeiten ausschöpft, macht in der Regel ein denkbar schlechtes Geschäft. Der Policenverkauf auf dem Zweitmarkt ist von daher eine lohnenswerte Alternative zur Kündigung. Die Vorteile liegen auf der Hand, denn zum einen erfolgt auf dem Zweitmarkt eine deutlich höhere Auszahlung, gleichzeitig bleibt die Hinterbliebenenabsicherung enthalten. Zudem werden weder Kapitalertragsteuer noch Solidaritätszuschlag fällig. Dies gilt auch für die Beleihung einer Lebensversicherung, auch hier bietet der Zweitmarkt in der Regel wesentlich günstigere Konditionen an als die Versicherungen selbst.

Lebensversicherung verkaufen

Unternehmen wie der Marktführer „cash.life“ kaufen dabei kündigungswilligen Versicherungskunden ihre Policen ab und bezahlen ihrerseits die Beiträge bis zum Laufzeitende weiter. Dies bedeutet für beide Seiten ein gutes Geschäft, erhält der Verkäufer zum einen deutlich mehr als den vom Versicherer ausgerechneten Rückkaufswert, zum anderen setzt der Investor darauf, dass er in der verbleibenden Zeit mit dem Vertrag eine ansehnliche Rendite erzielt. Andererseits bringt auch das neue BGH-Urteil höhere Leistungen, denn Versicherer sind künftig verpflichtet, bei der Kündigung ihrer Policen mindestens den Rückkaufswert zu zahlen (Az. IV ZR 162/03). Zudem sind die Versicherer angewiesen, ihre Kunden vor einer Stornierung auf die Verkaufsmöglichkeit am Zweitmarkt hinzuweisen (BGH, Az. IV ZR 162/03, 177/03, 245/03).

Gleichzeitig werden die Versicherungsgesellschaften dahingehend verpflichtet, mehr Rücksicht auf ihre Kunden zu nehmen. So sieht das aktuell in Kraft getretene Versicherungsvertragsgesetz unter anderem längere Widerrufsfristen sowie mehr Transparenz vor. Verankert wurde unter anderem, dass Verbraucher bei Lebensversicherungen im Regelfall Anspruch auf eine Beteiligung an den Überschüssen der Versicherungsgesellschaften haben. Darin eingeschlossen sind erstmals die so genannten Stillen Reserven, von denen die Konzerne spätestens bei Vertragsende 50 Prozent ausbezahlen müssen. Eine wichtige Änderung erfährt auch der Rückkaufswert, denn dieser wird künftig nach dem Deckungskapital berechnet – und zwar auch für den Fall, dass ein Vertrag vorzeitig beendet wird. Zudem müssen die Verwaltungskosten, die bislang für den Abschluss einer Lebensversicherung anfielen und den Wert enorm drückten, auf die ersten fünf Versicherungsjahre gleichmäßig verteilt werden. Dies führt wiederum dazu, dass sich der Rückkaufswert auch bei einem frühen Verkaufsstorno deutlich erhöht. Der Nachteil: Die neuen Gesetze gelten lediglich für Neuabschlüsse und daher nicht rückwirkend auch für Altverträge.

Lebensversicherung stunden

Wer dennoch in die Lage versetzt wird, dass er seine laufenden Beiträge nicht mehr bezahlen kann, dafür aber das eingezahlte Geld nicht benötigt, hat die Möglichkeit, seinen Vertrag beitragsfrei zu stellen. Mit diesem Schritt wird die Police dann auf dem erreichten Niveau eingefroren und zum vereinbarten Zeitpunkt mit einer entsprechend niedrigeren Ablaufleistung ausgezahlt. Eine weitere Möglichkeit bietet ein Policendarlehen auf die Lebensversicherung. Diese Möglichkeit bietet sich zum Beispiel für den Erbfall an. Beispiel: Eine Familie erbt ihr Elternhaus, in das die gesamten Ersparnisse gesteckt wurden. Auch der Dispokredit lässt eine weitere Ausreizung nicht mehr zu. Fällt zu diesem Zeitpunkt auch noch eine notwendig werdende Dachreparatur an, entsteht ein Engpass. Unklug handelt jetzt derjenige, der seine Lebensversicherung kündigt, obwohl diese vielleicht noch kurze Zeit läuft. Denn nur wer bis zum bitteren Ende durchhält, hat auch die Möglichkeit auf eine vernünftige Rendite.

Lebensversicherung beleihen

Wie das Beispiel zeigt, muss die Familie auf Grund der Dachreparatur nur einen kurzzeitigen finanziellen Engpass überbrücken. Da hier zwischen 2 und 3 Jahren ausgegangen werden kann, zieht man für diesen Fall eine Policenbeleihung vor. Dies hat den Vorteil, dass der Inhaber der Lebensversicherung auch den Schlussanteil selbst kassiert. Policendarlehen (also die Beleihung von Lebensversicherungen) gibt es zwischenzeitlich mit einem Darlehenszinssatz, der sich zwischen 6 und 8 Prozent bewegt. Deutlich weniger an Zinsen verlangen hingegen Finanzdienstleister wie die Sparschwein AG, GAP, PolicenDirekt, Life Finance sowie CFI Fairplay. Die Finanzdienstleister unterscheiden sich lediglich in den Bedingungen (Mindestrückkaufswert, Restlaufzeit). In allen anderen Fällen ist das Darlehen meist auf 90 Prozent des Rückkaufswertes beschränkt. Weiterer Vorteil: Die genannten Dienstleister verlangen lediglich eine Selbstauskunft, jedoch keine SCHUFA-Anfrage. Die Wahl der Policenbeleihung spricht somit für all diejenigen, die schnell und zu günstigeren Konditionen als bei der Bank für einen relativ kurzen Zeitraum Geld aufnehmen wollen, ohne dafür ihren Versicherungsschutz opfern zu müssen. Wer ein Policendarlehen aufnimmt, zahlt zudem nur die monatlichen Zinsen, die Tilgung hingegen erfolgt erst nach Ablauf des Darlehens auf einen Schlag.

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